Virtuelles Wohnraum-Assessment für Ärzte, Pflegekräfte und pflegende Angehörige

SAM_1952.JPG
Über das Forschungsprojekt

Virtual Reality bietet die Möglichkeiten ganz unterschiedliche Räume darzustellen und sie mit anderen Augen zu erleben. Altersgerechte Wohnräume sind aktuell und für unsere zukünftige Gesellschaft von großer Bedeutung. Doch wie sollte ein Wohnraum für ältere Menschen, die z.B. an Demenz erkrankt sind, aussehen? Worauf ist zu achten und wie wird der Wohnraum wahrgenommen?

Worum geht es in dem Projekt konkret?

Ärzte, Pflegekräfte und pflegende Angehörige entwerfen gemeinsam eine innovative Lernsoftware, die Wissen zum Gestalten eines altersgerechten Wohnraumaums vermittelt.  Dabei wird „Altersgerechtes Wohnen“ so verstanden, dass ältere Menschen möglichst lang und selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden leben können. Die Software soll dabei helfen, alters- oder krankheitsbedingte Veränderungen, z.B. in der Wahrnehmung, erlebbar zu machen oder Mobilitätseinschränkung greifbar darzustellen. Das Projekt fragt nach, wie der Kompromiss zwischen altersgerechtem Wohnen aus Sicht der Pflege und dem Wohlfühlen des Bewohners aussehen sollte.

Wie können Bürger*innen mitforschen?

Innerhalb des Forschungsprojektes werden Bürger*innen eng in die Erstellung der Software eingebunden. So kann der eigene Wohnraum für Virtualisierung bereitgestellt werden. In diesem Fall besucht sie ein Projektmitarbeiter und scannt die Räume. Anschließend wird das digitale Modell gemeinsam mit Ihnen diskutiert und z.B. durch Entfernen von Familienfotos anonymisiert. Daraufhin wird das Modell schrittweise durch digitale Wohnraumanpassungen verändert. Die Zwischenergebnisse werden in Interviews gemeinsam mit Pflegewissenschaftlern und Bürgerforscher*innen hinsichtlich eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen „sehr sicher aber ungemütlich“ bis „hohes Sturzrisiko aber sehr gemütlich“ eingeteilt.

Was passiert mit den Ergebnissen?

Die verschiedenen Wohnräume werden als realitätsnahe Anschauungsbeispiele in die Lernsoftware integriert. Sie bilden damit das Grundgerüst der Lernerfahrung. Ebenfalls fließen verschiedene Gestaltungsaspekte als Vorschläge für Veränderungsalternativen in die Software ein. Innerhalb von zwei Jahren Projektlaufzeit soll ein Prototyp der Lernsoftware fertig entwickelt sein. In einer anschließenden Testphase wird der Prototyp in der Ausbildung von Hausärzten, Pflegekräften und zur Sensibilisierung pflegender Angehöriger verwendet. Nach erfolgreicher Testphase soll die Lernsoftware zu einem Produkt weiterentwickelt und für die Schulung von Pflegekräften bereitgestellt werden.

Wozu trägt die Forschung bei?

Das Projekt trägt dazu bei, die Gesundheitsversorgung durch innovative Lehrformen für Versorgungsfachkräfte nachhaltig zu verbessern. Weiterhin erfahren pflegende Angehörige einerseits eine Sensibilisierung für krankheits- und altersbedingte veränderte Wahrnehmung und andererseits werden Handlungsalternativen zur Verbeserung der Alltagssituation in den eigenen vier Wänden aufgezeigt. Parallel zur inhaltlichen Umsetzung des Projekts entstehen durch die praktische Entwicklung der Lernsoftware neue Perspektiven beispielsweise für Studenten der Informatik, Wirtschaftsinformatik sowie der Gesundheits- und Pflegewissenschaften.